Exkursion des Plaidter Geschichtsvereins zum historischen Friedhof in Neuwied
Die Stadt Neuwied ist keine wirklich alte Stadt. Sie wurde nach den Wirren des 30-jährigen Krieges von Graf Friedrich III. im Jahr 1653 gegründet.
In der Folge wurde Neuwied zu einer der ersten Freistätten für Religionsflüchtlinge in Deutschland. Das prägt die Stadt bis in unsere Tage. Sie ist für die verschiedenen Religionsgemeinschaften zu einer neuen Heimat geworden, die um ihres Glaubens willen verfolgt und vertrieben wurden. Nach den Mennoniten, den Reformierten und Lutheranern kamen von 1750 an auch die Herrnhuter nach Neuwied, die bis heute als „Evanglische Brüdergemeinde“ im Stadtbild präsent sind.
Durch die Toleranzpolitik der Grafen zu Wied entwickelte sich deren Residenz seit Mitte des 18. Jahrhunderts zu einem der frühesten Industriestandorte des Landes. Die Vielfalt der ansässigen Konfessionen sowie der zahlreichen Schulen und Industriebetriebe prägen die Stadt bis heute.
1783 legten die Neuwieder Grafen den nunmehr „alten Friedhof“ in der Julius-Remy-Straße als erste konfessionsübergreifende Ruhestätte der Stadt an. Er beherbergt bis heute zahlreiche kunstvolle Grabmäler und die Ruhestätten bekannter Neuwieder Familien.
Die gesamte Anlage macht heute einen mehr als ungepflegten Eindruck. Viele Grabsteine, Gruften und Gedenktafeln sind wild überwuchert und kaum mehr zu erkennen. Baumschösslinge drohen alte Gruften zu zerstören, in denen noch so mancher Glassarg vermutet wird. Dennoch ist der direkt südlich des Elisabeth-Krankenhauses gelegene Friedhof ein absolut idyllischer Ort, eine grüne Oase in eine zubetonierten Stadt.
Der „alte Friedhof“ in Neuwied ist nur etwas mehr als 10 Kilometer von Plaidt entfernt. Dennoch kannten nur die Wenigsten diese ehrwürdige Anlage. Man mus also nicht in die Ferne schweifen.