Exkursion nach Bassenheim

St. Martindarstellung in der Kirche St. Martin in Bassenheim.

Bericht

Seit einigen Jahren unternimmt der Plaidter Geschichtsverein im Mai einen Ausflug in die nähere Umgebung, um sich vor Ort von sachkundigen Führern etwas zur Heimatgeschichte erläutern zu lassen. Am 16. Mai ging es mit rund 60 Teilnehmern nach Bassenheim.

Die Gruppe wurde geteilt. Die Führung der einen übernahm der pensionierte Mediziner Dr. Cord-Michael Sander, die der anderen Josef Seul, der Erste Beigeordnete der Gemeinde Bassenheim.

Natürlich sind es die Walbotten von Bassenheim, die über Jahrhunderte hinweg die Geschichte des Ortes prägten. Diese Familie hatte immer eine enge Verbindung zum Deutschen Orden. Ende des 14. Jahrhunderts war Siegfried Waldbott von Bassenheim einer der fünf Großgebietiger und „Oberster Spittler“ in Preußen. Um 1350 begann der Deutsche Orden im Dorf Heinrichswalde mit dem Bau einer Burg, die sich zum wirtschaftlichen Zentrum der Region entwickelte. Auf Anordnung des Hochmeisters Konrad Zöllner von Rotenstein (1382-1390) erhielt die Stadt zu Ehren von Siegfried Waldbott von Bassenheim den neuen Ortsnamen Bassenheim, der sich im Lauf der Zeit zu Passenheim umformte. Heute heißt der Ort polnische Pasym.

Einige heimatvertriebene Passenheimer, die sich nach dem Krieg in der näheren Umgebung angesiedelt hatten, begingen 1986 im Bassenheim die Feier des 600. Gründungsjahrs ihrer Stadt. Noch im gleichen Jahr kam es zu einer Partnerschaft zwischen Bassenheim und Pasym. Bis zur Öffnung des „Eisernen Vorhangs“ war dies ein schwieriges Unterfangen.

Casimir Waldbott von Bassenheim war im 17. Jahrhundert Domherr in Mainz. Beim Umbau des dortigen Doms konnte er ein Relief, das den hl. St. Martin darstellt, für seine Heimatkirche in Bassenheim erwerben. Es ist das Werk des sogenannten Naumburger Meisters aus der Zeit um 1240, das heute als „Bassenheimer Reiter“ kunstgeschichtlich weltweit bekannt ist. Die Teilnehmer des Ausflugs konnten dieses sehr lebhafte Relief aus Sandstein im linken Seitenschiff der Bassenheimer Kirche ausgiebig betrachten.

Im Vergleich zu dem riesigen Park wirkt die heutige Burg mehr als zurückhaltend. Vom eigentlich Waldbottischen Schloss ist – außer der Schlosstreppe – so gut wie nichts mehr erhalten. Die Burg ist weitestgehend ein Neubau aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts.

Beeindruckt war man vom ehemaligen „Frühmesser Haus“ direkt am Walpot-Platz. Dort hat die Gemeinde zusammen mit einem Förderverein das „Martinus Museum“ eingerichtet, in dem einige Stationen der Ortsgeschichte aufgegriffen werden. Es wurde schon spekuliert, wo man so etwas in Plaidt unterbringen könnte.

Über 50 Gäste bescherten dem Gasthaus „Zum Hirsch“ zum Abschluss für einige Stunden ein volles Haus.